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Wirtschaftsingenieurwesen - FAQ

Ist Wirtschaftsingenieurwesen ein "Modestudiengang" ohne Zukunft?

Diese Antwort ist schnell gefunden: Nein, Wirtschaftsingenieurwesen ist kein "Modestudiengang", denn darunter werden neue Trends verstanden, welche auch schnell wieder verschwinden. Wirtschaftsingenieurwesen gibt es jedoch in der Tat schon sehr lange, nämlich seit 1926 in Berlin an der Technischen Universität. Wirtschaftsingenieurwesen ist nicht einfach nur eine mittelfristige Erscheinung in der Berufs- und Hochschulwelt, sondern vielmehr eine langfristige und bodenständige strategische Ausrichtung.

In der Zukunft dürften Wirtschaftsingenieure noch mehr gefordert werden, denn verschiedene Technologien wachsen immer mehr zusammen mit betriebswirtschaftlichen Systemen und Kennzahlensystemen. Durch die Globalisierung und Automatisierung wird der strategische Aspekt des Wirtschaftsingenieurwesens in den Sachgebieten der Fabrik-, Arbeits-, Produktions- und Logisikplanung immer weiter in den Vordergrund gestellt. Die Komplexität dieser Systeme wächst von Jahr zu Jahr und bedarf Experten, welche interdisziplinär denken und arbeiten können.

Lieber mehr Technik als Wirtschaft im Studiengang oder umgekehrt?

Es wird häufig die Meinung verbreitet, dass mehr Wirtschaft im Wirtschaftsingenieurstudiengang besser sei und Wirtschaftsingenieure sowieso nicht in der Entwicklung und Konstruktion arbeiten können.
Das ist jedoch falsch. Es gibt Wirtschaftsingenieure, welche in der Entwicklung und Konstruktion arbeiten. Zugegebenermaßen sind das nicht sehr viele, und die wenigen, welche es in die Entwicklung/Konstruktion geschafft haben, haben sich intensiv durch Spezialisierung hierauf vorbereitet. Jedoch nehmen sehr viele Wirtschaftsingenieure Positionen in der Bereichs- oder Projektleitung in der Forschung und Entwicklung ein. Hier ist ein hohes technisches Verständnis und ein besonders gutes Grundlagenwissen notwendig. Denn auch wenn Wirtschaftsingenieure nicht forschen und entwickeln müssen, mitreden und vor allem verstehen können müssen sie.
Zum Anderen trainieren Ingenieurfächer das logische Verständnis und schaffen Selbstvertrauen im Umgang mit neuen Technologien. Aus diesem Grund sind Wirtschaftsingenieure auch perfekte potenzielle Gründer in High-Tech-Branchen, denn sie kennen sich mit Finanzierung und Marketing beinahe so gut aus, wie Betriebswirtschaftler, haben jedoch den Draht zum Ingenieurwesen mit allen verbundenden technologischen Ideen.

Fragen nach der Idealen Verteilung von Wirtschafts- und Ingenieurfächern im Wirtschaftsingenieur-Studium werden sehr häufig gestellt. Hier lässt sich kein klares und allgemeingültiges Urteil abgeben, jedoch ist ein Verhältnis von 50:50 nie verkehrt.

Ist ein Wirtschaftsingenieur "nichts Halbes und nichts Ganzes"?

Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig: Wirtschaftsingenieure seien Enten, können nicht richtig fliegen und auch nicht richtig tauchen.
Etwas Wahrheit ist natürlich dran, denn Wirtschaftsingenieure sind keine vollwärtigen Ingenieure und damit auch nicht erste Wahl für die technische Entwicklung und Konstruktion. Sie sind zudem auch keine reinen Wirtschaftswissenschaftler mit entsprechender Ausrichtung auf - beispielsweise - Bankenlehre.
Letztendlich können Wirtschaftsingenieure auf beiden Seiten nicht so gut agieren, wenn gleich sie auch gelegentlich auf beiden Seiten mit vorheriger Einarbeitung vollwertig tätig werden können. Wo Wirtschaftsingenieure jedoch ihre Vorteile voll ausspielen können, sind sogenannte Integrationsfächer. Integrationsfächer befassen sich mit den Schnittstellenbereichen zwischen Wirtschaft und Technik, darunter fallen interdisziplinäre Aufgabengebiete wie die Fabrik-, Arbeits-, Fertigungsplanung, der technische Einkauf und Vertrieb, das Logistik-, Produktions- oder auch das Projektmanagement.

Wirtschaftsingenieure sind also tatsächlich Enten, können weder richtig fliegen, noch richtig tauchen, aber zwischen den Welten - an der Wasseroberfläche - sind Wirtschaftsingenieure wahre Akrobaten!

In welchen Branchen sind Wirtschaftsingenieure gefragt?

Wirtschaftsingenieurwesen beschäftigt sich hauptsächlich mit Industriebetriebswirtschaft und Ingenieurswesen, was Absolventen dieses Studiengangs besonders für die Industrie und produzierende Gewerbe sowie Logistikunternehmen interessant macht. Sowohl Konzerne als auch mittelständische Unternehmen fragen Wirtschaftsingenieure nach. Die meisten Wirtschaftsingenieure kommen im produzierenden Gewerbe unter, arbeiten dort schwerpunktmäßig in der Planung von Produktion und Logistik, aber auch im Personalwesen, im Marketing oder Controlling sowie in Produkt- und Arbeitsgestaltung. Beratungsunternehmen schätzen den Generalismus des Wirtschaftsingenieurwesens sehr, einige Beratungsfirmen haben daher eine Wirtschaftsingenieur-Quote unter den Mitarbeitern von über 50%. Auch einige IT-Dienstleister fragen Wirtschaftsingenieure nach und setzen sie neben Wirtschaftsinformatikern gerne als Berater, Beschaffungs- oder Vertriebsingenieure ein. Auch an-/abbauende Unternehmen, die Entsorgungswirtschaft und Lebensmittelindustrie beschäftigen Wirtschaftsingenieure. Seltener arbeiten Wirtschaftsingenieure auch bei Behörden, Versicherungen und Kreditinstituten.

Verteilung der Wirtschaftsingenieure nach Tätigkeitsfeld*:

Industrie59%|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Dienstleistung24%||||||||||||||||||||||||
Wissenschaft6%||||||
Selbstständig5%|||||
Öffentlicher Dienst3%|||
Handel3%|||


Wirtschaftsingenieure haben zudem den Vorteil, dass sie sich auch auf Stellen bewerben können, welche nicht ausdrücklich nach Wirtschaftsingenieuren suchen. Entsprechend der eigenen Spezialisierung kann auch eine Bewerbung auf eine Stelle für Ökonomen oder Ingenieure erfolgsversprechend sein - der Schlüssel zum Erfolg ist hier die individuelle Spezialisierung und eine überzeugende Motivation!





* Quelle: Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure e.V. - Berufsbilduntersuchung 2011